Die Kleinigkeiten machen es aus...

Hi zusammen,

 

wie versprochen melde ich mich heute wieder - sogar aus Austin (leider veraltet)

Zu Anfang noch ein paar Nachträge zu den letzten Tagen/Erlebnissen:

Das Thema Essen ist immer noch ne kleine Herausforderung. Es ist ja nicht so, dass man verhungert, aber manchmal weiß man einfach nicht was man bekommt. Nein das ist nicht nur beim normalen Einkaufen im Supermarkt sondern ganz besonders in FastFood Ketten wie Five Guys, Taco Bell, Nathan, Burger King und wie sie alle heißen.

Als ich am Donnerstag am Flughafen mir etwas zu Essen kaufen wollte - war es mal wieder so eine Situation.

Man hatte sich eins dieser FastFood Restaurants ausgesucht und die Karte studiert. Ich habe mich diesmal für einen normalen Cheeseburger entschieden. Aber so einen Cheeseburger zu bestellen ist ja natürlich nicht so einfach. Man kann nicht einfach einen Cheeseburger bestellen nein man muss ja auch noch bestimmen ob man Tomaten, Gurken,... haben will. Und da die Leute schon so in die Routine verfallen sind, rasen die mit einer Geschwindigkeit durch die ganzen Zutaten, dass man schon nach den ersten 3 aufgibt und einfach nur nickt. Die beste Lösung in so einem Fall ist natürlich "Mit allem". Allein aus diesem Grund ist der Burger jedes mal etwas anders und man weiß nicht wo man gerade reinbeißt Aber mit dem "mit allem" geben die sich immer noch nicht zufrieden, nein man muss auch noch zwischen mehreren Käsesorten... aussuchen. Wenn das dann endlich geschafft ist, kann man seinen wohl verdienten Burger essen. Guten Appetit!

 

Auf dem Flughafen sind mir dann auch schon die ersten Ausläufer von Halloween begegnet. Vorher hatte ich davon nur im Radio gehört.  Hier wird Halloween ja wirklich absolut zelebriert. Ich bin mal in einen dieser Halloween Läden rein gegangen. Die haben wirklich alles was man sich so vorstellen kann - ist der absolute Wahnsinn. Die riesige Auswahl erleichtert einem natürlich die Entscheidung, als was man sich verkleiden will, nicht gerade. Falls ihr also einen Tipp haben solltet, als was ich mich verkleiden kann, immer her damit - egal wie abwegig es sein sollte.

 

Ist zwar schon etwas her, dass ich den "Müllschlucker" das erste mal genutzt habe, aber er ist eine Erwähnung im Tagebuch wert. Er hat seinen Namen wirklich verdient. Eine unscheinbare "Drechselmaschine" mitten in der Küche. Mit dem Teil bekommt man wirklich alles klein und es macht jedes Mal Spaß auszuprobieren was er denn noch so alles verträgt. Mir kommt es so vor als wenn der Schlucker ein Fass ohne Boden ist. Ich habe noch nie gesehen, dass der Behälter mal geleert werden musste - echt erstaunlich. Sonst gehen die Amerikaner in Sachen Mülltrennung aber eher nach dem Motte "Alles in einen, einer für alles" vor.

 

Vera hatte mir zum Abschied das Buch die "Streiflichter aus Amerika" von Bill Bryson geschenkt. Ich muss zugeben, wenn sich die Zeit findet, dann verschlinge ich das Buch und komme aus dem Lachen nicht mehr raus. Damit ihr einen kleinen Einblick bekommt, wollte ich euch ein recht gutes Kapitel nicht vorenthalten. Ich habe es ausgesucht, da bei mir demnächst der Gang zur Behörte ansteht. Der gelungene Titel heißt: "In der Behörtenmühle"

(etwaige Tippfehler bitte entschuldigen)

 

"Ich kann Ihnen nicht mal ansatzweise erzählen, wie frustrierend es ist, wenn man für eine im Ausland geborene Gattin oder andere geliebte Anverwandte in den Vereinigten Staaten eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung haben möchte. Erstens reicht der Platz hier nicht, zweitens ist es sterbenslangweilig, drittens kann ich nicht darüber reden, ohne Rotz und Wasser zu heulen, und viertens würden Sie ohnehin denken, ich hätte alles nur erfunden.

Ich sehe Sie schon verächtlich schnauben, wenn ich Ihnen berichte, daß ein Bekannter von uns - ein hochrangiger Akademiker - mit offenem Mund dasaß, als seiner Tochter von der Einwanderungsbehörde Fragen gestellt wurden wie: " Haben Sie sich jemals eines gesetzwidrigen Wirtschaftsvergehens schuldig gemacht, einschließlich, aber nicht beschränkt auf, illegales Glücksspiel?" und "Sind sie jemals Mitglied der kommunistischen Partei gewesen, oder haben Sie ihr oder einer anderen totalitären Partei auf sonst eine Weise nahegestanden?" une meine Lieblingsfrage "Haben Sie die Absicht, in den Vereinigten Staaten Polygamie zu praktizieren?" Ich sollte vielleicht darauf hinweisen, daß das Kind fünf Jahre alt war. Sehen Sie, ich könnte schon losheulen. Mit einem Land, das, ganz einerlei, wem, derartige Fragen stellt, stimmt gewaltig was nicht. Nicht nur, weil sie schlicht aufdringlich und irrelevant sind, und auch nciht weil Fragen nach der politischen Orientierung eines Menschen in krassen Widerspruch zur amerikanischen Verfassung stehen, sondern weil sie  eine kolossale Verschwendung von jedermanns Zeit sind. Wer erwidert schon auf die Frage, ob er die Absicht hat, Genozid oder Spionage zu betreiben, ein Flugzeug zu kapern, sich bigamistisch zu verheiraten oder irgendeiner anderen unerwünschten Tätigkeit von dieser langen, eigenartigen paranoiden Liste zu frönen: Ja selbstverständlich! Schmälert das etwas meine Chancen einzureisen?

Wenn es alles nur bedeuten würde, eine Reihe sinnloser Fragen unter Eid zu beantworten, dann würde ich ja noch seufzen und Ruhe geben. Aber es geht um unendlich viel mehr. Wenn man legal in den USA leben will, muß man Fingerabdrücke abgeben, sich ärztlichen Untersuchungen und Bluttests unterziehen sowie Affidavit-Briefe, Geburts- und Heiratsurkunden, Nachweis der Beschäftigungsverhältnisse, Belege zur wirtschaftlichen Situation und vieles andere mehr beibringen. Und alles muß auf eine vorgeschriebene Weise gesammelt, beglaubigt, vorgelegt und bezahlt werden. Meine Frau mußte kürzlich eine Vierhundertkilometer-Rundreise machen, um eine Blutprobe in einer Klinik abzugeben, die von der Ausländerbehörde anerkannt ist, obwohl sich eine der besten Lehrkliniken der Vereinigten Staaten in ebender Stadt befindet, in der wir wohnen. Man muß endlose Formulare ausfüllen, jedes mittels ellenlanger Anweisungen, die sich oft gegenseitig wiedersprechen und fast immer dazu führen, daß man noch mehr Formulare braucht. Ganze Tage bringt man damit zu, eine Telefonnummer anzurufen, die besetzt ist. Falls man doch endlich durchkommt, wird man angewiesen, eine andere Nummer zuwählen, die man aber nicht ganz mitkriegt, weil die Person am anderen Ende sie einem vornuschelt und dann sofort auflegt. So ist es bei jedem Kontakt mit jeder x-beliebigen Abteilung eines US-amerikanischen Behörde. Nach einer Weile versteht man allmählich warum selbst knallharte Cowboys in Gegenden wie Montata ihre Ranchen zu Festungen ausbauen und damit drohen, jeden Regierungsbeamten zu erschießen, der so dumm ist , ihnen ins Fadenkreuz zu laufen. Es nützt auch gar nichts, die Formulare nach besten Wissen und Gewissen auszufüllen, denn wenn auch nur die geringste Kleinigkeit nicht in Ordnung ist, kriegt man den gesamten Kladaradatsch zurück. Meine Frau bekam einmal die Unterlagen wieder weil der Abstand zwischen Kinn und Haaransatz auf ihrem Foto um 3mm von der Norm abwich. Bei uns dauert das ganze schon 2 Jahre. Und bitte verstehen sie, meine Frau will weder als Gehirnchirurgin praktizieren noch Spionage betreiben, noch mit Drogen dealen und sie will auch nciht beim Sturz der amerikanischen Regierung oder sonst einer verbotenen Aktion mitwirken (wobei ich ihr, ehrlich gesagt, nun nicht mehr im Wege stehen würde). Sie will hier nur ein wenig einkaufen und legal mit ihrer Familie wohnen. Das ist doch nicht zuviel verlangt! Weiß der Himmel, wo es hakt. Gelegentlich bittet man uns um ein zusätzliches Dokument, und alle paar Monate frage ich nach,w as los ist, aber ich bekomme nie eine Antwort. Vor drei Wochen erhielten wir einen Brief von dem Londoner Außenbüro der Einwanderungsbehörde und dachten schon, das sei endlich die offizielle Genehmigung. Guter Scherz! Es war ein Computerbrief, in dem stand, mit dem Antrag sei seit zwölf Monaten nichts passiert und deshalb sei er nun ungültig. All das habe ich Ihnen aber nur so weitschweifig erzählt, weil ich eine Geschichte loswerden muß, die ein paar britische Freunden von uns hier in Hanover widerfahren ist. Der Mann ist seit etlichen Jahren Professor an der hiesigen Universität. Vor achtzehn Monaten flogen er und seine Familie zurück nach England, weil er ein Sabbatjahr hatte. Als sie in Heathrow ankamen und sich freuten, wieder zu Hause zu sein, fragte der Grenzbeamte, wie lange sie zu bleiben gedächten. "Ein Jahr", erwiederte mein Freund frohgelaunt. "Und was ist mit dem amerikanischen Kind?" fragte der Beamte mit hochgezogener Braue. Der Jüngste, müssen Sie wissen, war hier geboren, und sie hatten sich nie die Mühe gemacht, ihn als britische Staatsbürger eintragen zu lassen. Es war erst vier, als würde er in England nicht auf Jobsuche oder dergleichen gehen. Sie erklärten die Sachlage. Der Beamte hörte ernst zu und ging dann fort, um einen Vorgesetzten zu konsultieren. Meine Freunde hatten Großbritannien vor acht Jahren verlassen. Und weil sie nicht genau wußten, um wieviel ähnlicher es in der Zeit den Vereinigten Staaten geworden war, warteten sie mit einer gewissen Bangigkeit. Nach einer Minute kam der Beamte, gefolgt von seinem Vorgesetzten, zurück und sagte leise zu Ihnen. "Mein Vorgesetzter fragt sie jetzt, wie lange Sie in Großbritannien bleiben wollen. Sie Sagen: "Zwei Wochen". Als fragte der Vorgesetzte, und sie antworteten "2 Wochen". "Gut" sagte der Vorgesetzte und fügte dann, als sei es ihm gerade eingefallen, hinzu. "Falls Sie sich entscheiden sollten, Ihren Aufenthalt zu verlängern, wäre es vielleicht keine schlechte Idee, wenn Sie ihr Kind in den nächsten Tagen als britische Staatsbürger registrieren zu lassen." "Stimmt " sagte mein Freund. Und drin waren sie. Deshalb liebe ich Großbritannien. Derhalb und wegen der Pubs und HP-Sauce und der Landfriedhöfe und noch vielem anderen, aber am meisten, weil es dort immer noch einen öffentlichen Dienst gibt, der zu echter Menschlichkeit fähig ist und sich nicht so verhält, als hasse er einen. Und mit diesen Worten verabschiede ich mich. Ich muß meinen Munitionsvorrat auffüllen.

 

Außer das ich mich auf den Regierungsbesuch freue, bleibt mir auch nichts anderes zu sagen, als bis zum nächsten Mal.

 

P.S:

Das neuste Wort der Reihen "Wörter die die Welt nicht braucht...":

Gosh oder Oh my Gosh. Wird euch fast überall über den Weg laufen und immer angebracht.

Kann man sich auch recht gut merken, man muss nur 2 Buchstaben tauschen anstatt sh tt => „oh mei gott“ oder Meine Güte...

 

P.P.S:

Der nächste Eintrag ist schon so gut wie fertig und wird über Washington gehen...

24.10.06 01:53

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen